Kinderstadt „Mini-Lehen“

2006: Die Kinderstadt in der Schule

 

Die Schule wird zur Stadt: Aus Klassenzimmern und Pausenräumen werden Werkstätten, Büros, Schalterhallen und Freizeiteinrichtungen. Die Angebote stehen allen Kindern der Schule, von den Vorschulklassen bis zu den 4. Jahrgängen, zur Verfügung, der Klassenverband ist aufgehoben.

Fächerübergreifender Unterricht wird gefördert: Der Projektentwurf orientiert sich am Leben in einer Stadt, an den Zusammenhängen zwischen Arbeit, Konsum, Freizeit, kulturellem Leben und Politik. Die Spielregeln sind so formuliert, dass alle sie verstehen.

 

Die Vorstellungskraft der Kinder wird durch reale Stadtkulissen, Straßen, Gassen & Plätze unterstützt, die Klassenzimmer werden zu Gebäuden, in denen sich die verschiedensten Einrichtungen finden: Vom AMS und der Bank über ein Gasthaus, den Schönheitssalon, die Zeitungsredaktion bis hin zu den Werkstätten und den Angeboten und den Studienmöglichkeiten. Zusätzlich wird ein Erwachsenencafé für Eltern und alle anderen Gäste eingerichtet.

Die Kinder schlüpfen in Rollen und übernehmen Funktionen oder Arbeitsstellen, die ihnen vom Arbeitsmarktservice angeboten werden. In den Werkstätten werden unterschiedlichste Produkte hergestellt, die dann im Kaufhaus an die Kinder „gegen selbstverdientes Geld“ verkauft werden. Die Lehrpersonen sind im Spiel nicht Lehrer und Lehrerinnen, sondern sind Meisterin in einem Handwerksbetrieb, Verwalterin in der Bank oder Medienprofi.

 

Einige wichtige Regeln sind:
Alle Kinder erhalten zu Projektbeginn einen Ausweis, in die Arbeits- und Studienzeiten eingetragen werden.
Alle Kinder suchen sich einen Arbeits- oder Studienplatz, die über das Arbeitsmarktservice vermittelt werden.
Wer sechs Stunden gearbeitet und zwei Stunden studiert hat, kann im Rathaus die Vollbürgerschaft beantragen. Arbeit und Studium werden gleich entlohnt. (Die Währung heißt Lele und wurde von Kindern einer 2. Klasse entwickelt), wovon die Steuer sofort abgezogen wird.
Über die Verwendung der Steuern entscheidet die Stadtregierung.

 

Komplexere Projekte in Schulen mit entsprechender Außenwirkung machen diese ein Stück mehr zu einem Stadtteil-Bildungszentrum und treiben die Schulentwicklung voran. Gerade im Zusammenhang mit den Diskussionen um den Ausbau der Nachmittagsbetreuung in Pflichtschulen und die Ganztagsschuldebatte soll diese Idee weiter gedacht werden. In Österreich ist die „Kinderstadt“ in der Schule ein Modellprojekt. Damit beschäftigte sich auch unsere Fachdiskussion am Mittwoch, 22. November von 9.30 – 11.30 Uhr in der VS Lehen.

 

Das Grundprinzip der Spielstadt besteht darin, Kindern ein offenes, komplexes Lernmilieu anzubieten, das es ermöglicht bzw. erfordert, selbst organisiert und selbst bestimmt ein Stück ihres „Lern- und Lebensraums Schule“ zu gestalten. Das Spielsystem setzt auf die Eigenmotivation und Experimentierlust der Kinder, fordert ihre Fantasie und Organisationsfähigkeit in eigener Sache. Durch den offenen Rahmen des Spiel- und Lernraums sollen neue Erfahrungsebenen zwischen LehrerInnen und Schülerinnen sowie den SozialarbeiterInnen des Verein Spektrum geschaffen werden.

 

Einschätzungen werden sich verändern: Schwächere SchülerInnen erweisen sich als eifrige, einfallsreiche und manuell begabte Kinder, die das Gesamtgeschehen positiv mitentwickeln. Kinder, die kaum zu begeistern sind, finden in einer Spielstation ihren Tätigkeitsbereich, Ältere helfen Jüngeren – oder umgekehrt. Sonst im Unterricht vermittelte Kulturtechniken sind auch in offenen Spiel- und Lernräumen gefordert: Beim Lesen und Schreiben der Zeitung, des Wetterberichts oder bei Förderungsansuchen, beim Errechnen des Gehalts und der damit verbundenen Steuern, bei der Kalkulation in den Betrieben oder bei öffentlichen Reden, sie es bei der Kandidatur um das Bürgermeisteramt oder der Eröffnung einer Ausstellung. Die Kinder erwerben kommunikative und soziale Kompetenzen durch „öffentliche“ Auftritte, verschiedene Rollen, Verhandlungen und Zeitungs- bzw. Medienpräsenz.

 

Kooperation
An der Projektwoche ist die ganze Schule mit allen SchülerInnen und LehrerInnen beteiligt, zusätzlich wird die „Kinderstadt“ von einem 15-köpfigen Team des Verein Spektrum getragen, die Eltern und alle Interessierten sind eingeladen das Schulprojekt zu besuchen und nach Möglichkeit zu unterstützen.